Die Geschichte Brünns in kurzen Zügen
Brünn ist die zweitgrößte Stadt der Tschechischen Republik und die Hauptstadt von Mähren, zwei Autostunden südöstlich von Prag. Es ist eine blühende Stadt zwischen der höhlenreichen, zerklüfteten Kalksteinlandschaft des Mährischen Karstes im Norden und der von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestuften Parklandschaft von Lednice und Valtice im Süden. Das Stadtgebiet zählt an die 386.000 Einwohner und ist in 29 Bezirke eingeteilt. Heute bestehen enge Bindungen mit einer Reihe von Partnerstädten in der ganzen Welt.

Der Erfolg Brünns wurde im Laufe seiner Geschichte besonders von Handel und Industie - insbesonders im Bereich des Textils und des Maschinenbaus - bestimmt. Die Stadt liegt an einer strategisch günstigen Stelle am Zusammenlauf zweier Flüsse und nahe der österreichischen Grenze - näher zu Wien als zu Prag - mit guten Transportverbindungen in beide Hauptstädte. Seit seinem Bestehen wurde Brünn von einer Vielvölkergesellschaft bewohnt. Frühe Bewohner kamen von keltischen und germanischen Stämmen (Markomannen und Quaden). Später entstand das Böhmische Königreich, als Mähren mit Böhmen verbunden und vom heutigen Polen aus regiert wurde. Im Jahre 1031 gelang es Fürst Bretislav, die polnische Besatzung zu vertreiben und die Grenzen der tschechischen Nation neu zu definieren. Bald wurde Brünn ein internationales Handelszentrum und zog Slawen, Juden, Deutsche, Flamen und Wallonen aus den Niederlanden an. Durch ein Edikt zwang Karl IV. 1348 alle fremden Handelstreibenden, die durch die Region reisten, nach Brünn zu kommen.

Besondere Privilegien, die Wenzel I. gewährte, einten die verschiedenen ethnischen Gruppen und machten die Stadt zu einem bedeutenden Handelszentrum, das wachsen und gedeihen konnte. Schon bald wurde Brünn von einer Stadtmauer umgeben und zwei Pfarrkirchen (St. Peter und Paul, St. Jakob) taten ihren Dienst. Verschiedene Ordensgemeinschaften gründeten Klöster: Augustiner (St. Thomas), Benediktinern (Rajhrad), Prämonstratenser (Zabrdovice). Dominikaner Bettelorden, Minoriten, Heburger und Johanniter siedelten sich an, und Königin Eliska Rejcka gründete ein Zisterzienserinnenkloster. In der Umgebung von Brünn entstanden indessen Gemüse- und Weingärten.

Im 15. Jahrhundert wurde die Region vom Bürgerkrieg heimgesucht. Der Handel erlosch und ortsansässige Katholiken brannten viele gotische Gebäude als Protest gegen die religiösen Reformen der Hussiten nieder. In der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde der Stadtrat von Protestanten dominiert. Um dies auszugleichen förderte die Katholische Kirche die Neugründung von Ordensgemeinschaften - wie Jesuiten und Kapuziner.

 17. Jh. bis zur Neuzeit
Die zweite Blütezeit kam im 17. Jahrhundert, als Brünn der Belagerung durch die Schweden standhielt, was dem Österreichischen Kaiserreich erlaubte, seine Truppen um Brünn zu reduzieren und den Angreifer abzuwehren. Als Belohnung wurden die Sonderprivilegien des Jahres 1243 bestätigt. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt zur offiziellen Hauptstadt Mährens (1641) und es wurde eine mächtige, barocke Festung gebaut, die später wesentlich für den Widerstand gegen die preussischen Angriffe war (1742).

Im Jahre 1777 wurde das Bistum in Brünn gegründet. Handel und Industrie weiteten sich aus. Am Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Region von Napoleons Truppen überrollt. Im Jahr 1839 wurde Brünn an das Eisenbahnnetz angeschlossen und Brünn war bald nicht wiederzuerkennen. Spezialisierte Bildungsinstitute wie die deutschen und tschechischen technischen Schulen entstanden in den Jahren 1873 und 1899 um Arbeitskräfte auszubilden. Brünn war von Deutschen dominiert, doch bald strahlten starke nationalistische Gefühle in die ganzen Region aus.

1919 geschah es zum ersten Mal, dass die Deutschen, die in der Stadtverwaltung arbeiteten, in der Minderzahl waren. Im selben Jahr wurde die Masaryk Universität gegründet. Neun Jahre später wurde das Brünner Messegelände mit einer größeren Ausstellung über zeitgenössische Kultur eröffnet. Bildung, Handel und Industrie förderten ein wachsendes Interesse für Kunst - das in vieler Hinsicht von einer Gruppe linksgerichteter Künstler und Designer die dem Bauhaus nahestand unterstützt wurde. Währenddessen gewann die Nationalsozialistische Bewegung immer mehr Zulauf. 1939 ergriffen die Nationalsozialisten die Macht und führten das Protektorat Böhmen und Mähren ein.

Der Zweite Weltkrieg fügte der Stadt große Wunden zu. Die jüdische Gemeinde wurde dezimiert, örtliche Priester und Ordensleute wurden von den Nazis verhaftet und neben anderen Vertretern des Widerstandes öffentlich hingerichtet (Kaunitz Wohnheim). Im Jahre 1945 wurde die Tschechoslovakei von der Sowjetarmee und den Alliierten befreit. Eine große Anzahl von Deutschen wurde zur Flucht gezwungen.

Die Kommunisten übernahmen 1948 die Macht und kurze Zeit später wurde die Tschechoslovakei zum Satellitenstaat der UdSSR. 1989 gelang es dem Land, sich durch die sogenannte "Samtene Revolution" zu befreien und der Bürgerrecht-Aktivist und Schriftsteller Vaclav Havel wurde zum Präsidenten gewählt. 1993 wurde die Nation in die Slovakei und die Tschechische Republik geteilt. Anders als andere Städte, die von der Härte des Kommunismus gebeugt wurden, scheint Brünn seine kulturelle Energie und seinen Optimismus wiedererlangt zu haben. Vielleicht liegt der Grund dafür in den sechs Universitäten mit 26 Fakultäten, die von 32.000 Studenten besucht werden.

Berühmte Persönlichkeiten der Stadt sind der Vater der Genetik, Gregor Mendel (1822-84), der große Komponist Leos Janacek (1854-1928), der Erfinder der ersten Wasserturbine, Viktor Kaplan (1876-1934) sowie die funktionalistischen Architekten und Designer wie z.B. Bohuslav Fuchs, Mies van der Rohe und Arnost Vizner.

Die Altstadt - größtenteils Fußgängerzone - ist mittelalterlichen Ursprungs. Sie wird von breiten Straßen umgeben, die an die Wiener Ringstraße erinnern. In ihrem Herzen findet man elegante Barockkirchen und imposante, funktionalistische Bauten von Architekten wie Bohuslav Fuchs (1895-1972). Die Stadt wird vom Hügel Spilberk mit der Festung dominiert, die nacheinander den Hussiten, Schweden, Preußen, Sachsen und 1805 den französischen Truppen standgehalten hat, die mit Napoleon vor und nach der Schlacht von Austerlitz durchgezogen sind. Danach hatte die Festung den Ruf, das härteste Gefängnis des Österreichischen Kaiserreiches zu sein. Es wurde 1853 von Kaiser Franz Joseph geschlossen, von der Gestapo jedoch wieder geöffnet. Heute ist in der renovierten Burg ein Museum der Geschichte Brünns.

 Die Hauptsehenswürdigkeiten
Museum der Stadt Brünn, Spilberk: Ausstellungen über das berühmt-berüchigte Gefängnis und über die Geschichte der Stadt.

Mährische Galerie: Die Stadtgalerie rühmt sich einer feinen Auswahl an Biedermeier-Porträts, wobei ihre Stärke der Sammlung die Malereien, Skulpturen und Möbel des frühen 20. Jahrhunderts sind.

Haus der Künste:: Das Haus der Künste zeigt wechselnde Ausstellungen.

Krautmarkt: Der Gemüse- und Krautmarkt im Herzen der Altstadt wird von einer Vielfalt von Gebäuden aus verschiedenen Epochen umgeben. Der Dietrichsteinpalast - ein großartiges Barockgebäude - beherbergt das Mährische Landesmuseum. Zu diesem Museum gehört der Anthropos Pavillion in einem andern Stadtteil (prähistorische Kunstwerke - die Venus von Vestonice).

Altes Rathaus: Das alte Rathaus ist das älteste profane Gebäude der Stadt.

Kathedrale St. Peter und Paul: Der Peter-Pauls-Dom auf dem Petrovhügel. Seit 1777 Sitz des Brünner Bistums.

Villa Tugendhat: die feine weiße Villa wurde von Ludwig Mies van der Rohe 1930 nach den Prinzipien der funktionalistischen Architektur gebaut. Hier fand das Gipfeltreffen statt, bei dem der Vertrag über die Teilung der Tschechoslovakei unterzeichnet wurde.

Denkmal von Leoš Janáček: Ständige Ausstellung über das Leben und Werk des Komponisten Leoš Janáček

Augustiner-Abtei in Alt Brünn: Die Augustiner-Abtei, in der Gregor Mendel lebte und seine Versuche über Pflanzenhybriden durchführte. Hier findet gerade die Ausstellung mit dem Titel "Genius der Genetik - eine Hommage an Gregor Mendel durch Wissenschaft und Kunst" statt.

 Web Quellen
  Tschechische Zentrale für Tourismus
www.czechtourism.com

  Brünn
www.brno.cz

  Landesbezirk Südmähren
www.jizni-morava.cz
Kathedrale St. Peter und Paul
Altes Rathaus
Svratka Tal