Augustiner-Abtei in Alt Brünn
Der im Jahr 1256 gegründete Orden der Augustiner-Eremiten pflegt eine lange Tradition des Lehrens und Lernens auf dem Gebiet der Wissenschaft und Kunst. Die Gemeinschaft wurde im Jahr 1350 in Mähren eingeführt und erhielt eine Gründungsurkunde vom Mährischen Markgrafen Johann Heinrich von Luxemburg, die vom Papst im Jahr 1356 mit der Zustimmung des Bischofs von Olmütz bestätigt wurde. Schon nach kurzer Zeit hat das Kloster den Ruf erworben, ein lebendiges Zentrum kreativen Interesses auf den Gebieten der Theologie und der Kultur zu sein. Seit Beginn seines Bestehens zog es verrschiedene bekannte Philosophen, Musikologen, Mathematiker, Mineralogen, und Botaniker an.
Der ursprüngliche Komplex, der 1347 von den Augustinern außerhalb der Stadtmauer hinter dem Rheintor gegründet wurde (Mährischer Platz / Moravske namesti, heute als Statthalterpalast bekannt), mußte im 15. Jh. wieder aufgebaut werden, nachdem er während des Hussitensturmes abgebrannt war.
Der Augustiner Thurn-Stiftung, die im Jahre 1653 dank der Großzügigkeit von Sibylla Polyxena Francesca von Montani geb.Gräfin von Thurn und Walsassina zur Förderung der Musik errichtet wurde, ist es größtenteils zu verdanken, daß Leos Janacek (1854 - 1928) als Leiter des Alt Brünner Chores in Brünn bleiben konnte.
Im Jahre 1752 wurde das Konvent vom Papst Benedict XIV. zur Abtei erhoben. Später, im Jahr 1783, während der Regierung des Habsburger Kaisers Josephs II., waren die Augustiner gezwungen, ihr Kloster zu verlassen und in das ehemalige Zisterzienserinnenkloster in Alt Brünn zu ziehen, wo die Gemeinschaft seither ansässig ist. Ihr sechster Abt war Gregor Mendel. Der gegenwärtige Abt, Lukas Evzen Martinec - der elfte in dieser Position - ist für die stufenweise Restaurierung der Abtei seit 1996 verantwortlich.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden viele Ordensmitglieder wegen ihres Widerstandes gegen das Naziregime verfolgt und hingerichtet. Mit dem Beginn der kommunistischen Ära in der Tschechoslovakei, wurde das Kloster säkularisiert und unter anderem als Studentenheim benützt. Im Jahre 1989 konnten die Augustiner schließlich wieder zurückkehren.
Zu den Schätzen der Abtei zählen die elegante Bibliothek aus dem 18. Jh. mit ca. 27.000 Büchern, Manuskripten und Drucken und die gotische Basilika Mariä Himmelfahrt. Ein weiterer Schatz ist die Jungfrau Maria vom hl. Thomas oder Altbrünner Madona, verehrt als Palladium der Stadt Brünn, ein Werk, das der Legende nach, vom Evangelisten Lukas gemalt wurde. Der örtlichen Überlieferung zufolge, wurde das Bildnis von der hl. Helena, der Mutter Kaiser Konstantins erworben und nach Konstantinopel gebracht. Von dort gelangte das Bildnis nach Genua und Mailand, wo es im Besitz von Bischof Eustorgius war. Später sollte der Böhmische König Vladislav das Bild von Kaiser Friedrich erhalten haben. Im Jahre 1356 überließ es Karl IV. seinem Bruder Margraf Johann, der es den Augustinern schenkte.
Web Quellen
Augustiner-Abtei in Alt Brünn
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