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Auf der Rückseite seines Exemplars von Gärtners Versuche und Beobachtungen über die Bastarderzeugung im Pflanzenreich (1849) machte Mendel eine Reihe von Anmerkungen über die Merkmale verschiedener Varietäten aus Gärtners Erbsenexperimenten. Hier scheint Mendel sich bereits in der Vorbereitungsphase seiner Versuche befunden zu haben, da er unter den Varietäten von Pisum solche mit konstanten Merkmalen auswählte (d.h. solche, die nicht zwischen den Generationen variieren).
Ernst Benary war ein bekannter Züchter, der mit Mendels Experimenten vertraut war und von dessen gleichnamiger Firma Mendel Samen für die Abtei bestellte. Sein illustriertes Album (1876) widmet den Erbsen zwei Seiten, von denen eine eindrucksvoll drei der von Mendel für seine Experimente ausgewählten Merkmale darstellt: farbige und weiße Blüten, gelbe und grüne Hülsen, gerade und eingeschnürte Hülsen.
 Mendel verwendete 34 Sorten von Pisum sativum (Unterarten und Varietäten der Gartenerbse). Diese Pflanze war wegen ihrer großen Blüten und der Vielfalt an Varietäten (wie Länge und Farbe des Stängels, Größe und Form der Blätter, Stellung und Farbe der Blüten, Länge des Blütenstiels etc.) von anderen Biologen (z.B. Kölreuter in Deutschland bzw. Seton und Goss in England) als geeignet empfohlen worden. Darüber hinaus ist Pisum ein Selbstbestäuber (mit sich selbst fruchtbar).
Die bunten Originalzeichnungen der Pläne für die von Abt Napp im Garten der Abtei errichtete Gewächshausanlage zeigen Form und Größe des Glashauses, in dem Mendel seine Versuche an der Erbse durchführte.
Als absolut entscheidend für Mendels Experimente erwies sich, dass die von ihm ausgewählten Merkmale reinerbig waren, ein Punkt für dessen Bestätigung er zwei Jahre verwendete. Bei sorgfältiger Kontrolle seiner Experimente wurde ihm klar, dass manche Merkmale keine "sichere und scharfe Trennung zulassen, indem der Unterschied auf einem oft schwierig zu bestimmenden 'mehr oder weniger' beruht." Daher wählte er schließlich sieben Merkmale aus, welche "an den Pflanzen deutlich und entschieden hervortreten". Diese waren:
 1. Gestalt der reifen Samen (kugelrund oder rundlich, kantig oder runzelig)
 2. Färbung der Samen (blassgelb, hellgelb, orange oder grün)
 3. Färbung der Samenschale (weiß oder grau / graubraun / lederbraun, mit oder ohne violette Punktierung)
 4. Form der reifen Hülsen (einfach gewölbt oder tief eingeschnürt und mehr oder weniger runzelig)
 5. Farbe der unreifen Hülse (licht- bis dunkelgrün oder lebhaft gelb gefärbt)
 6. Stellung der Blüten (achsenständig, d.h. längs des Stängels verteilt, oder endständig, am Ende des Stängels gehäuft)
 7. Länge des Stängels (langer Stängel von 6-7 Fuß oder kurzer Stängel von 0,75 bis 1,5 Fuß)
 Die entscheidende Bedeutung von Mendels Versuchen an der Erbse basiert auf folgenden grundlegenden Tatsachen: Merkmale oder Eigenschaften der Eltern werden als unveränderliche Einheiten, individuelle "Mendel-Faktoren" (die wir heute als "Gene" bezeichnen), an die folgenden Generationen nach konstanten Häufigkeitsverhältnissen weitergegeben. Jedes Individuum besitzt zwei komplette Sätze von Erbfaktoren, einen von jedem Elternteil. Es macht keinen Unterschied, welches der Merkmale vom männlichen und welches vom weiblichen Elternteil stammt: Der Beitrag ist in beiden Fällen gleich. Weiters kommen die Erbfaktoren manchmal zur Ausprägung, manchmal bleiben sie verborgen, aber nie gehen sie verloren. Im Allgemeinen (aber nicht immer) wird jede "Einheit" unabhängig von allen anderen "Einheiten" weitergegeben. Beispielsweise kann eine Erbse Samen bilden, die entweder rund und gelb sind, oder runzelig und gelb, oder rund und grün, oder runzelig und grün. Die Ausprägung dieser Merkmale innerhalb der Pflanzengenerationen erwies sich als variabel. Bestimmte Merkmale manifestierten sich häufiger als andere (sogar wenn sie in vorangegangenen Generationen in gleicher Häufigkeit aufgetreten waren).
Es scheint, dass bestimmte Merkmale (rezessiv oder verborgen) zu Gunsten anderer (dominant) nicht unmittelbar ausgeprägt werden. Kreuzt man zwei Pflanzen, so würde man erwarten, dass das Zahlenverhältnis der Merkmale in den daraus resultierenden Generationen 1:1 beträgt. Mendel jedoch beobachtete, auch bei Wiederholung der Versuche, dass ein Merkmal (das dominante) ungefähr drei mal häufiger auftrat als das andere (das rezessive). Das durchschnittliche Zahlenverhältnis in sorgfältig kontrollierten Experimenten betrug 3:1.
Mendels Experimente wurden über einen Zeitraum von sieben Jahren, von 1856 bis 1863, systematisch dokumentiert und 1865 berichtete er über die Ergebnisse in einem Vortrag vor dem Naturforschenden Verein in Brünn. Diese Arbeit wurde im darauf folgenden Jahr in den Berichten der Gesellschaft veröffentlicht. Ausgestellt sind die wichtigsten Seiten des Manuskripts und der gedruckten Version von Mendels "Versuchen" mit seinen epochalen Ergebnissen.
 Mendel experimentierte auch mit Varietäten der Pflanze Hieracium (Habichtskraut). Die ausgewählten Merkmale erwiesen sich jedoch in den Hybriden als hochgradig instabil und die Ergebnisse passten in keiner Weise zu jenen, die er in den Versuchen mit Pisum sativum erhalten hatte. Im Notizblatt II, einem der zwei Fragmente von Mendels Notizblättern, vergleicht er die Ergebnisse seiner Experimente mit Pisum, Hieracium und Salix (Weide). Über die Interpretation von Mendels Notizblatt I wird viel debattiert. Die Notizen beinhalten eine Neuüberprüfung des Zahlenmaterials aus Kreuzungsexperimenten, welche Mendel vermutlich viele Jahre nach der Veröffentlichung der Versuche durchführte. Es ist schwierig, Mendels Überlegungen in diesen späteren Notizen genau nachzuvollziehen. Wir erfahren jedoch, dass Mendel Pflanzenexperimente nach der Veröffentlichung seiner ursprünglichen Arbeit fortsetzte und dass er sich weiterhin mit der Lösung des Rätsels der Fortpflanzung beschäftigte..
Zwischen 1866 und 1873 korrespondierte Mendel mit Carl Nägeli (1817-91), Professor der Botanik an der Universität München und einer Autorität in Sachen Pflanzenhybridisierung. Nägeli war überzeugt, dass Hybride generell instabil sind, und konnte somit der Theorie Mendels, dass die von den Eltern an die Hybriden weitergegebenen Merkmale konstant wären, nicht zustimmen. In dem Zeitraum, in welchem Mendel mit Nägeli korrespondierte, fallen auch die Experimente mit Hieracium, welche enttäuschenderweise Nägeli Recht zu geben schienen. Mendel beobachtete, was er "ein seltsames Verhalten der Hybride" bezeichnete, welches er nicht erklären konnte - z.B., dass Hieracium sowohl sexuelle als auch asexuelle Fortpflanzung zeigt (ein als Apomixis bekanntes Phänomen).
Die Bedeutung von Mendels Werk wurde erst dreißig Jahre nach der Publikation seiner zukunftsweisenden Arbeit erkannt, als Hugo de Vries 1900 in Holland, William Bateson 1902 in England, Franz Correns 1900 in Deutschland und Erich Tschermak 1901 in Österreich Mendels Vermächtnis anerkannten und ihn zum wahren Vater der klassischen Genetik ausriefen.
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| Erbsen und Habichtskraut |
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| Mendels Manuskripte und Notizen |
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| Mendel - Nägeli Briefe |
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| Glashaus Zeichnungen |
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Von Mendel zum menschlichen Genom-Projekt
- 1856
- Gregor Mendel beginnt Kreuzungsexperimente mit Gartenerbsen.
- 1859
- Charles Darwin veröffentlich On the Origin of Species (Über die Entstehung der Arten).
- 1865
- Mendel trägt die Ergebnisse und seine Interpretation der Experimente bei den monatlichen Treffen des Naturforschenden Vereins in Brünn am 8. Februar und am 8. März vor.
- 1866
- Mendel veröffentlicht Versuche über Pflanzen-Hybriden in den Verhandlungen den Naturforschenden Vereins. Er versendet Sonderdrucke, die jedoch unbeachtet bleiben.
- 1871
- Friedrich Miescher berichtet von der Entdeckung von Nuclein in isolierten Zellkernen. Obwohl Nuclein zu diesem Zeitpunkt als eine Mischung von Nucleinsäuren (DNS und RNS) mit Protein verstanden wird, ist das die erste Arbeit mit Nucleinsäuren.
- 1887
- August Weisman, entschlüsselt unter dem Mikroskop den Tanz der Chromosomen in Meiosis (Bildung der Keimzellen). Er zeigt auf, dass jedes Chromosom eine große Anzahl von entscheidenden Faktoren für erbliche Eigenschaften tragen muss und stellt Überlegungen über ihre winzige Größe an.
- 1900
- Carl Correns und Hugo de Vries, entdecken unabhängig voneinander Mendels Regeln wieder und später auch seine Veröffentlichung. Erich von Tschermak spielt eine weniger bedeutende Rolle. William Bateson veröffentlicht Mendels Arbeit in der Royal Horticultural Society of London und übersetzt sie kurz darauf.
- 1902
- Walter Sutton vertritt hinsichtlich der Vererbung die Chromosomentheorie, nämlich dass sich Chromosomen sichtlich wie die Mendelschen Elemente verhalten (die bald darauf Gene genannt werden sollten) und, dass jedes Chromosom viele davon enthalten muss. Theodor Boveri macht eine ähnliche Entdeckung.
- 1902-1909
- Bateson prägt die Begriffe Genetik, Allelomorph, (jetzt auf Allele verkürzt), Homozygote, Heterozygote und andere.
- 1909
- Archibald Garrod legt den Grundstein für die Subspezialität der biochemischen Genetik indem er aufzeigt, dass bestimmte menschliche Krankheiten angeborene Irrtümer des Metabolismus sind, die als rezessive Mendelsche Merkmale vererbt werden.
- 1910
- Thomas Hunt Morgan entdeckt eine mutierende Augen-Farbe in der Obstfliege Drosophila und stellt eine Verbindung zum Geschlecht fest. Er vertritt, dass die Gene, die sich im selben Chromosom befinden, miteinander verbunden sind und sich bei einem Austausch von Chromosomensegmenten rekombinieren können, was als Crossing-over bezeichnet wird.
- 1913
- Alfred Henry Sturtevant zeichnet die erste genetische Karte, wobei er cross-over Frequenzen zwischen sechs geschlechtlich verbundenen Drosophila Genen verwendet, um ihre relative Position auf dem X-Chromosom zu zeigen.
- 1927
- Hermann Muller demonstriert, dass Röntgenstrahlen bei der Drosophila genetische Mutationen verursachen können.
- 1931
- Harriet Creighton, Barbara McClintock und Curt Stern finden unabhängig voneinander bei Zellen unter dem Mikroskop den ersten direkten Beweis dafür, dass crossing-over stattfindet.
- 1941
- George Beadle und Edward Tatum, die mit der biochemischen Genetik des Schimmelpilzes Neurospora arbeiten, vertreten die “Ein Gen – ein Enzym” Theorie.
- 1940-1949
- Max Delbrück, Salvador Luria und Jacques Monod beweisen unabhängig voneinander, dass Bakterien Gene haben.
- 1944
- Oswald Avery, Colin MacLeod und Maclyn McCarty publizieren stichhaltige Beweise dafür, dass die DNS das Erbmaterial ist.
- 1949
- Frederick Sanger, der mit dem Insulin Molekül arbeitet, veröffentlicht den ersten Beweis dafür, dass die Sequenz von Aminosäuren in einer Proteinkette für dieses Protein einzigartig ist.
- 1949
- Erwin Chargaff veröffentlicht den Beweis, dass die Proportionen der vier Arten von Nucleotiden, Komponenten, die einen DNS Strang ausmachen, in allen Zellen eines bestimmten Lebewesens dieselben sind, aber sehr stark von einer Spezies zur anderen variieren. Die DNS steht als Träger der Erbinformation fest.
- 1953
- James Watson and Francis Crick klären die dreidimensionale delucidate Molekularstruktur der DNS, die Doppelhelix auf. Sie stützten sich dabei teilweise auf unveröffentlichte Röntgen-Kristallographie-Daten, die Rosalind Franklin und Maurice Wilkins erarbeitet hatten.
- 1957-'58
- Crick stellt das zentrale Dogma der Molekularbiologie auf, welches besagt, dass genetische Information, im Sinne von spezifischen Sequenzen, sich zwischen Nucleinsäuren und in ein Protein bewegen kann, „sobald jedoch die Information in ein Protein gelangt ist, kann sie nicht mehr hinaus.“
- 1958
- Matthew Meselson und Franklin Stahl beweisen, die semikonservative Replikation der DNS, wie es die Struktur von Watson und Crick erfordert.
- 1950-1959
- François Jacob und Jacques Monod stellen in einer Langen Versuchsreihe die Existenz von Kontrollfunktionen am Chromosom fest, die die Genexpression ein- oder ausschalten.
- 1961
- Jacob, Crick, Sydney Brenner und andere arbeiten ein generelles Schema zur Transkription der Information in der DNS in Boten-RNS (messenger-RNS) und die Translation von mRNS in Proteine aus. Brenner, Jacob und Meselson finden mRNS in Bakterienzellen.
- 1961
- Crick und seine Kollegen demonstrieren, dass die genetische Information in Tripletts aus 3 Nucleotiden, den so genannten Codons enthalten ist, von denen es 64 gibt. Jedes von ihnen kodiert für eine der 20 Aminosäuren, drei Codone für Beginn oder Ende von Proteinketten.(Von den 64 möglichen Codons stehen 61 für die 20 Aminosäuren zur Verfügung, die restlichen drei Codons dienen als Stoppsignale.)
- 1961
- Marshall Nirenberg und Heinrich Matthaei identifizieren das erste und zweite Codon.
- 1961-1967
- Nirenberg, Severo Ochoa, H. Gobind Khorana und andere bestimmen in einem rasenden Wettkampf den Rest des genetischen Codes.
- 1970-1979
- Paul Berg, Stanley N. Cohen und andere entwickeln Methoden, um die DNS aufzuschneiden und mit den Fragmente neue Sequenzen zu rekombinieren. Die rekombinante DNS, oder die Gentechnik sind entstanden.
- 1977
- Sanger erfindet eine bemerkenswerte Methode zur Sequenzierung der DNS. Walter Gilbert und Allan Maxam erfinden unabhängig davon eine andere.
- 1983
- Erstmals wird ein genetischer Defekt, der eine menschliche Erkrankung verursacht – die Huntington Krankheit – exakt auf einem Chromosom lokalisiert und für Studienzwecke isoliert.
- 1995
- Erste bakterielle Genomsequenz (Haemophilus influenzae).
- 1995-2000
- Genome von Bakterien sequenziert: Mycoplasma genitalium und Escherichia coli, Hefe 2000 (Saccharomyces cerevisiae), Schlauchwurm (Caenorhabditis elegans), Obstfliege (Drosophila melanogaster) and Senfkresse (Arabidopsis thaliana).
- 1999
- Erstes menschliches Chromosom sequenziert: (Chromosome 22).
- 2002
- Das Maus Genom sequenziert.
- 2003
- Erste komplette Skizze der menschlichen Genomsequenz fertig gestellt.
Das Mendel Museum dankt Horace Freeland Judson sowie Jonathan Hodgkin und
Jirina Relichova für die Erstellung dieser Übersicht.
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