Die „Gregor Mendel“ Ausstellung basiert auf der Ausstellung „Genius der
Genetik“, eine Würdigung Gregor Mendels (1822-1884) durch Wissenschaft und
Kunst. Ihr Ziel ist es, den „einfachen Kniff“ und die „lange Geschichte“ von
Mendels Entdeckungen zu enthüllen.
Gregor Johann Mendel lebte und arbeitete als Augustinermönch ab 1843 in Brünn in der Augustiner-Abtei, wo er 1867 zum Abt gewählt wurde. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Brünn als Hauptstadt der Provinz Mähren eine "multi-linguale" Stadt mit regem Kulturgeschehen. Mendel beteiligte sich am sozialen und kulturellen Leben der Stadt und erwarb den Titel eines Vizepräsidenten, später sogar eines Präsidenten der lokalen Hypothekenbank. Er war bekannt für seine Aktivitäten als Lehrer und zeigte darüber hinaus großes Interesse an Meteorologie und Bienenzucht.
Brünn war auch Zentrum der Textilindustrie, und die örtliche Ökonomie basierte vornehmlich auf Landwirtschaft, Schafzucht (zur Wollproduktion) sowie Obst- und Weinbau. Die Augustiner-Abtei in Alt Brünn erhielt, wie viele kirchliche Institutionen, Zehentanteile von den örtlichen Landwirtschaftsbetrieben. Mendels Vorgänger, Abt C. F.Napp, welcher ihn als Novizen aufnahm, hatte bereits 1830 einen Versuchsgarten auf dem Gelände der Abtei eingerichtet. Napp, der das Vollzeitstudium Mendels an der Universität Wien (1851-1853) unterstützte, war selbst Pflanzenzüchter, Präsident der Pomologischen Gesellschaft (des Apfelzüchtervereins) und Mitglied der Schafzüchtervereinigung und daher vom Wert experimenteller Forschung überzeugt. Unter seiner Führung wurden seltene Pflanzen der Provinz Mähren auf dem Gelände der Abtei angepflanzt und ein Herbar eingerichtet.
 Mendels eigene systematische Versuchsreihen an Erbsen wurden im Gewächshaus des Klosters durchgeführt. 1865 präsentierte Mendel seine zukunftsweisende Arbeit über Erbsenhybriden, Versuche über Pflanzen-Hybriden, und 1866 erschien darüber ein Artikel in einem lokalen Wissenschaftsjournal, den Verhandlungen des naturforschenden Vereines. Da Brünn damals von den Zentren der europäischen Forschergemeinde noch etwas isoliert war, blieb Mendels Artikel über Pflanzenhybriden weitgehend unbeachtet. Mehr als 50 Jahre später jedoch wurde der Mönch, der abseits der großen Wissenschaft mit Erbsenhybriden experimentiert hatte, als Begründer der klassischen Genetik gefeiert. Die Konzepte, die er 1865 entwickelte, wurden allgemein bekannt als "Mendels Gesetze der Vererbung" und er selbst wird seither als "Vater der Genetik" bezeichnet.
Diese Ausstellung geht über den romantischen Mythos des weltabgeschiedenen Mönchs, der komplizierte Versuche mit Erbsen durchführte, hinaus; sie setzt sich zum Ziel, die "Persönlichkeit Mendels" zu erforschen, und den Weg, der letztendlich zur Formulierung der Vererbungsgesetze geführt hat, nachzuzeichnen. Abschnitt 1 beleuchtet den Hintergrund Mendels und die treibenden Kräfte hinter seinen wissenschaftlichen Unternehmungen. Die Abschnitte 2 und 3 befassen sich mit seinen Forschungsinteressen und der Entwicklung seiner methodischen Vorgangsweise. Abschnitt 4 schließlich betrachtet seine Experimente und Entdeckungen.
 Parallel zu den historischen Fakten sind in jeden Abschnitt auch Arbeiten zeitgenössischer Künstler integriert. Diese eröffnen neue und suchende Einblicke in Mendels visuelle Welt - betrachtet aus der schöpferischen Perspektive der Künstler, die dabei ihre eigenen Untersuchungen über die Verwandtschaftsbeziehung zwischen Kunst und Wissenschaft einbringen.
Als Schlüsselereignis der öffentlichen Präsentation von Mendels großartigen Leistungen ist diese Ausstellung gleichzeitig der erste Schritt in einem längerfristigen Programm, seine Stammabtei als Zentrum der Genetik zu etablieren. Ein wesentlicher Punkt dieses Langzeitplanes ist die Rekonstruktion von Mendels Garten und die Wiedererrichtung des ursprünglichen Bienenhauses, in dem Mendel seine Experimente an Bienen durchführte.
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Mönche in der Augustiner-Abtei in Alt Brünn - Mendel vierter von rechts |
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Posthumes Portrait von Abt Mendel |
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| Wappen von Abt Mendel |
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